← Alle Beiträge

Instandhaltung & Sicherheit

Arbeitsanweisungen für die vorbeugende Instandhaltung, mit Praxisbeispiel

· Aktualisiert am · 4 Min. Lesezeit

Für die vorbeugende Instandhaltung bereitgelegtes Handwerkzeug

Ein großer Teil dessen, was ein Unternehmen effizient und profitabel laufen lässt, ist die Gewissheit, dass alle Anlagen optimal funktionieren. Dazu braucht es regelmäßige vorbeugende Instandhaltung. Leider werden regelmäßige Anlagenprüfungen oft vernachlässigt, vor allem weil die Aufmerksamkeit meist dringenderen Themen gilt. Werden kleine Aufgaben aber über längere Zeit vernachlässigt, folgen Probleme: Fertigungsfehler, Arbeitsunfälle und Schäden an Anlagen. Ein Ausfall einer kritischen Anlage ist teuer, sowohl bei der Reparatur als auch durch Stillstand und Verzögerungen.

Was ist vorbeugende Instandhaltung?

Vorbeugende Instandhaltung (auch präventive Instandhaltung) ist Instandhaltung, die regelmäßig an einer Anlage durchgeführt wird, um die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls zu verringern. Sie findet statt, solange die Anlage noch läuft, damit sie nicht unerwartet ausfällt. Von der Komplexität her liegt diese Instandhaltungsstrategie zwischen reaktiver (ausfallbedingter) und vorausschauender Instandhaltung. Sie ist außerdem eine der Grundlagen von Total Productive Maintenance (TPM).

Arbeitsanweisungen für die vorbeugende Instandhaltung erstellen

Detaillierte Arbeitsanweisungen für die Instandhaltung sollen die natürliche „menschliche Streuung“ in der Art, wie Menschen Dinge tun, beseitigen. Sie bilden die Grundlage, um eine Person für die erforderlichen Tätigkeiten an bestimmten Anlagen zu schulen und zu qualifizieren. Die Anwendung der Arbeitsanweisungen muss verbindlich durchgesetzt werden – sie sind nicht optional. Einmal erarbeitete Anweisungen können der Ausgangspunkt sein für die kontinuierliche Verbesserung von Anlagenleistung und Zuverlässigkeit, für mehr Arbeitssicherheit und bessere Umweltbedingungen und für eine höhere Gesamtproduktivität der Anlagen und der Mitarbeitenden eines Unternehmens.

Konzentrieren Sie sich anfangs eher darauf, Leistung und Zuverlässigkeit der Anlagen zu verbessern, als Ihre Arbeitsanweisungen für die vorbeugende Instandhaltung grundlegend zu überarbeiten. Verzetteln Sie sich nicht in einer umfassenden Neufassung aller Instandhaltungsanweisungen Ihres Standorts – die wirtschaftliche Rechtfertigung dafür fehlt möglicherweise. Konzentrieren Sie sich bei jedem Schritt darauf, messbare geschäftliche Ergebnisse zu liefern.

Anweisungen helfen nur, wenn sie an der Maschine sind, während die Arbeit erledigt wird. Hängen Sie sie an den Instandhaltungsauftrag an oder bringen Sie an der Maschine einen QR-Code an, der die aktuelle Version auf einem Tablet oder Smartphone öffnet. Für einfache Aufgaben mit geringem Risiko reicht eine Checkliste. Bei komplexen oder sicherheitskritischen Aufgaben ergänzen Sie die Checkliste um Schritt-für-Schritt-Fotos oder ein kurzes Video.

Beginnen Sie mit der Verbesserung Ihrer Instandhaltungsanweisungen bei den Anlagen oder Prozessen, die Sie am meisten kosten. Schauen Sie über den Instandhaltungsbedarf der Anlage hinaus und berücksichtigen Sie den Betrieb des Werks oder Standorts. Wählen Sie als Ausgangspunkt Anlagen, deren Leistung sich verbessern lässt.

Beispiel: wöchentliche Prüfung einer Hydraulikpresse

Wann und wer: wöchentlich, zu Beginn der Frühschicht, durch einen geschulten Werker. Alles außerhalb der Grenzwerte geht an die Instandhaltung.

Schritte und wie „gut“ aussieht:

  1. Presse stillsetzen. Wenn für eine Prüfung Schutzeinrichtungen geöffnet werden müssen oder die Hände in den Arbeitsbereich kommen, zuerst Lockout-Tagout anwenden.
  2. Hydraulikölstand im Schauglas prüfen. Gut: zwischen Min- und Max-Markierung; Öl klar, nicht milchig oder dunkel.
  3. Verschmutzungsanzeige des Filters prüfen. Gut: im grünen Bereich.
  4. Schläuche und Verschraubungen auf Leckagen, Scheuerstellen und Ausbeulungen prüfen. Gut: trockene Verschraubungen, kein Öl unter der Maschine.
  5. Presse starten und die Anzeigen für Systemdruck und Öltemperatur ablesen. Gut: innerhalb der Bereiche auf dem Maschinenschild oder im Herstellerhandbuch.
  6. Die Schutzeinrichtungen einzeln testen: Lichtvorhang, Zweihandschaltung, Not-Halt. Gut: Die Presse stoppt bei jedem Test bzw. lässt sich nicht auslösen.
  7. Stößelführungen reinigen und die Schmierstellen laut Schmierplan mit dem vorgeschriebenen Schmierstoff schmieren.
  8. Einen Testhub fahren und hinhören. Gut: kein Klopfen, kein Quietschen, kein neues Geräusch.

Was zu dokumentieren ist: Ölstand i. O./n. i. O., Filteranzeige i. O./n. i. O., Messwerte für Druck und Temperatur, Leckagen ja/nein (bei ja mit Foto), bestanden/nicht bestanden für jede Schutzeinrichtung, Bemerkungen.

Bestätigung: Der Werker zeichnet die Prüfung ab. Jeder Punkt mit n. i. O. löst eine Instandhaltungsanforderung aus. Fällt eine Schutzeinrichtung durch, bleibt die Presse gesperrt, bis die Instandhaltung sie repariert und freigegeben hat.

Entnehmen Sie die Grenzwerte dem Handbuch des Pressenherstellers. Der Sinn der Anweisung ist, dass jeder Werker dieselben Punkte gegen dieselben Grenzwerte prüft und dieselben Werte dokumentiert.

Wo REWO ins Spiel kommt

In REWO ist eine solche Prüfung ein Formular: Jeder Punkt ist eine Ja/Nein-Abfrage oder ein Wert, mit einem Foto, wie „gut“ aussieht, und die Ergebnisse werden zusammen mit der Information gespeichert, wer die Prüfung wann durchgeführt hat. Ergebnisse lassen sich per E-Mail- oder SMS-Link versenden. Längere Aufgaben wie der Wechsel des Hydraulikfilters funktionieren besser als Videoanleitung, die über einen QR-Code an der Maschine geöffnet wird. Mehr dazu unter REWO Forms.

Weiterlesen: Was ist Total Productive Maintenance (TPM)? · Was ist ein Lockout-Tagout-Verfahren? · REWO Forms

REWO live an Ihrer Linie.

Bringen Sie eine Anweisung mit, die Sie bereits haben. Wir zeigen Ihnen, wie sie beim Werker ankommt – und wie der Nachweis danach aussieht.