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Instandhaltung & Sicherheit

Was ist ein Lockout-Tagout-Verfahren (LOTO)? Schritte und Gefahren

· Aktualisiert am · 5 Min. Lesezeit

Zwei Personen führen an einer Anlage ein Lockout-Tagout-Verfahren durch

Wer sein Auto schon einmal zum Ölwechsel in die Werkstatt gebracht hat, kennt das: Als Erstes bittet der Mechaniker, den Schlüssel abzuziehen und aufs Armaturenbrett zu legen. Es reicht nicht, dass der Motor gerade nicht läuft – bevor jemand die Hände in die Nähe der Ölwanne bringt, muss sicher sein, dass der Motor auf keinen Fall plötzlich anspringt. Indem er das Auto außer Betrieb setzt, schützt sich der Mechaniker selbst – und Sie ebenso –, weil die Möglichkeit menschlicher Fehler ausgeschlossen wird. Dasselbe Prinzip gilt für Maschinen im Betrieb. Genau dafür gibt es Lockout-Tagout-Verfahren.

Was genau ist ein Lockout-Tagout-Verfahren?

Lockout-Tagout (LOTO), im deutschen Arbeitsschutz auch als „Freischalten und Sichern“ bekannt, ist eine Reihe von Verfahren, mit denen sichergestellt wird, dass eine Anlage abgeschaltet, nicht betriebsbereit und (wo relevant) energiefrei ist. So lassen sich Wartungs- und Reparaturarbeiten an der Anlage sicher durchführen. Jede Arbeitssituation an Anlagen, bei der gefährliche Energie unbeabsichtigt freigesetzt werden könnte, erfordert Lockout-Tagout-Verfahren. „Gefährliche Energie“ umfasst dabei nicht nur Elektrizität, sondern auch andere Energieformen wie pneumatischen Druck, hydraulischen Druck und Gas. LOTO-Verfahren sollen sowohl den direkten Kontakt mit dieser Energie verhindern als auch Verletzungen durch Maschinen oder Gegenstände, die durch diese Energie bewegt werden könnten (z. B. eine pneumatische Presse, die versehentlich ausgelöst wird).

In der Praxis bedeutet Lockout, die Anlage (eine Maschine, ein Betriebsmittel oder einen Prozess) von der Energie zu trennen und sie dadurch physisch in einem sicheren Zustand zu verriegeln. Die Trenneinrichtung kann ein handbetätigter Trennschalter, ein Leistungsschalter, ein Leitungsventil oder ein Absperrblock sein. Taster, Wahlschalter und andere Steuerschalter gelten nicht als Trenneinrichtungen. In den meisten Fällen haben diese Einrichtungen Ösen oder Laschen, mit denen sie in sicherer Stellung (energiefreie Stellung) an einem festen Gegenstand abgeschlossen werden können. Die Verriegelung (Lockout-Vorrichtung) kann jede Vorrichtung sein, die die Trenneinrichtung in sicherer Stellung festhält.

Tagout bedeutet, an der Trenneinrichtung ein Anhängeschild anzubringen, das davor warnt, sie zu betätigen, und zeigt, wer es angebracht hat und warum. Ein Schild allein hält niemanden physisch auf. Wo sich eine Einrichtung abschließen lässt, kommt das Schild deshalb immer zusammen mit einem Schloss.

Die LOTO-Schritte

Jede Maschine braucht ein eigenes schriftliches Verfahren, das ihre Energiequellen und Trennstellen auflistet. Der allgemeine Ablauf ist:

  1. Vorbereiten und informieren. Jede Energiequelle der Maschine ermitteln – elektrisch, pneumatisch, hydraulisch, mechanisch, thermisch, chemisch, Schwerkraft – und wo jede einzelne getrennt wird. Die Werker und alle anderen Betroffenen informieren, dass die Maschine abgeschaltet wird.
  2. Abschalten. Die Maschine über ihren normalen Abschaltvorgang stillsetzen.
  3. Alle Energiequellen trennen. Hauptschalter öffnen, Versorgungsventile schließen, weitere Versorgungen trennen. Jede Quelle, nicht nur den Hauptschalter.
  4. Schlösser und Schilder anbringen. Jede Person, die an der Maschine arbeitet, bringt an jeder Trennstelle ihr eigenes persönliches Schloss an (oder an einer Gruppenverriegelungsbox, wenn viele Personen beteiligt sind), mit einem Schild mit Name, Datum und Grund.
  5. Gespeicherte Energie abbauen oder sichern. Pneumatischen und hydraulischen Druck ablassen, Kondensatoren entladen, angehobene Teile absenken oder abstützen, Federn entspannen, heiße Teile abkühlen lassen.
  6. Energiefreiheit prüfen. Versuchen, die Maschine über die normalen Bedienelemente zu starten, und diese danach wieder auf Aus stellen. Prüfen, dass Manometer null anzeigen, und mit einem geeigneten Prüfgerät die Spannungsfreiheit feststellen. Die Maschine ist erst sicher, wenn das geprüft ist.
  7. Die Arbeit durchführen.
  8. Schlösser in der richtigen Reihenfolge entfernen und wieder in Betrieb nehmen. Werkzeuge entfernen, Schutzeinrichtungen wieder anbringen, prüfen, dass alle außerhalb des Gefahrenbereichs und informiert sind. Jede Person entfernt nur ihr eigenes Schloss. Danach die Energie wieder zuschalten und die Maschine testen, bevor sie an die Produktion zurückgegeben wird.

Warum ist LOTO wichtig?

Lockout-Tagout-Verfahren gelten als zentraler Bestandteil der Arbeitssicherheit in jedem Arbeitsumfeld, in dem Beschäftigte direkt mit Maschinen oder Betriebsmitteln in Berührung kommen. In der mechanischen Fertigung machen Größe, die Zahl beweglicher Teile, schnelle Bewegungen und scharfe Schneidwerkzeuge der Maschinen Wartungs- und Rüstarbeiten besonders riskant. Zu den Unfällen, die LOTO-Verfahren verhindern können, gehören:

  • Quetschungen und Einklemmstellen: Pressen, verfahrende Achsen und angehobene Teile, die durch die Schwerkraft herabfallen
  • Amputationen: Sägen, Kraftpressen, Form- und Biegemaschinen, die unerwartet anlaufen
  • Schnitt- und Risswunden: rotierende Schneidwerkzeuge und Spindeln
  • Elektrischer Schlag und tödlicher Stromschlag: spannungsführende Teile in Schaltschränken und Antrieben
  • Verbrennungen: heiße Oberflächen, erhitzte Werkzeuge und Flüssigkeiten unter Druck
  • Brände und Explosionen
  • Kontakt mit Chemikalien: Kühlschmierstoffe, Lösungsmittel und unter Druck stehende Leitungen, die geöffnet werden

LOTO deckt nicht jede Gefahr in der mechanischen Fertigung ab. Gegen umherfliegende Späne, Dämpfe und Ölnebel sowie einseitige Belastung helfen Augenschutz, Absaugung und eine gute Arbeitsplatzgestaltung. Diese Themen gehören in die übrigen Arbeitsanweisungen der Maschine.

Schutzeinrichtungen wie trennende Schutzeinrichtungen oder Schutzvorrichtungen sind an Anlagen angebracht, um die Sicherheit der Beschäftigten während des Betriebs zu gewährleisten. Bei Tätigkeiten wie Wartung, Reparatur oder Rüsten oder beim Beseitigen von Staus, Verstopfungen oder falsch zugeführtem Material dürfen diese Schutzeinrichtungen entfernt werden, wenn andere Maßnahmen die Gefahren verringern oder beseitigen. Ein Lockout-Tagout-Programm mit Verfahren für diese Situationen senkt das Verletzungsrisiko durch die unbeabsichtigte oder versehentliche Freisetzung gefährlicher Energie.

Was das Gesetz verlangt

Die Anforderungen unterscheiden sich von Land zu Land. In den USA hat die OSHA eine eigene Lockout-Tagout-Norm. In der EU gibt es keine einheitliche LOTO-Verordnung: Die Pflichten des Arbeitgebers ergeben sich aus dem nationalen Arbeitsschutzrecht, das EU-Richtlinien wie die Arbeitsmittelbenutzungsrichtlinie (2009/104/EG) umsetzt. Maschinenhersteller gestalten die Einrichtungen zum Trennen und zum Abbau von Energie nach Normen zur Maschinensicherheit wie der EN ISO 14118 zur Vermeidung von unerwartetem Anlauf. Klären Sie mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit, welche Vorschriften in Ihrem Land gelten.

Damit LOTO im Alltag hält: Videoanleitung und Prüfcheckliste

Schriftliche LOTO-Verfahren scheitern oft direkt am Arbeitsplatz: Die Trennstellen sind schwer zu finden, oder die Person hat es an dieser Maschine seit Monaten nicht mehr gemacht. Zwei Dinge helfen:

  • Eine Videoanleitung pro Maschine, die zeigt, wo jede Trennstelle ist, wie sie abgeschlossen wird und wie gespeicherte Energie abgebaut wird. Das tatsächliche Ventil oder den tatsächlichen Trennschalter zu sehen, ist klarer als eine Textbeschreibung.
  • Eine Prüfcheckliste, die jedes Mal ausgefüllt wird: jede Trennstelle abgeschlossen (ja/nein), gespeicherte Energie abgebaut, Energiefreiheit geprüft und wie, Name und Uhrzeit. Die Checkliste dokumentiert, was die Person bestätigt hat. Das Schloss ersetzt sie nicht.

Wo REWO ins Spiel kommt

In REWO kann das LOTO-Verfahren jeder Maschine eine Videoanleitung sein, die über einen QR-Code an der Maschine geöffnet wird, und die Prüfcheckliste ein Formular, das festhält, wer sie wann ausgefüllt hat. Ändert sich das Verfahren, durchläuft die neue Version die Freigabe und ersetzt die alte überall.

Weiterlesen: Arbeitsanweisungen für die vorbeugende Instandhaltung · REWO Forms · REWO für die Metallindustrie

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